Dienstag, 26. September 2017

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Fernverkehr: Die SBB ringen um Anschluss


Erweiterte online-Ticketplattform soll Kunden zu SBB zurückbringen.

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Die SBB wollen ihre Ticketplattform ausbauen. Neu soll es möglich sein, dass SBB-Kunden Billette für Angebote im Bahnverkehr mit dem angrenzenden Ausland zu den gleichen Konditionen wie bei den anderen Bahnunternehmen kaufen können. Dies ist bis jetzt nicht immer der Fall. Zudem wollen die SBB die Ticketbestellung benutzerfreundlicher gestalten. Jeannine Pilloud, Leiterin Personenverkehr bei den SBB, will dadurch den internationalen Personenverkehr stärken. Der Vorteil für den Kunden: Zugfahren ins Ausland wird günstiger und vor allem wird es einfacher, Billette zu kaufen. Die SBB versprechen sich dadurch, dass sie ihren Anteil am Verkauf grenzüberschreitender Angebote steigern können. Die neue Plattform soll bereits ab 2018 in Betrieb sein, wie aus offiziellen Ausschreibungsunterlagen hervorgeht.

So heisst es in der Ausschreibung, dass die SBB einerseits auf die Konkurrenzangebote von Airline- und Fernreisebussen reagieren. Andererseits auf Provisionsverluste, welche sie in letzter Zeit verstärkt erleiden. Seit mehreren Jahren sei ein Wechsel von den SBB-Verkaufskanälen hin zu den Kanälen der Partner im Gange. Zu den Partnern der SBB gehören die Deutsche Bahn, die französische SNCF, die Bahnen in Italien sowie die österreichische ÖBB. «In der Regel werden variable Preise und Sortimente in den Vertriebssystemen der Partnerbahnen vorgehalten», heisst es in der Ausschreibung.

Bis anhin war es möglich, gewisse Fahrkarten auf den anderen Portalen günstiger zu erwerben. So kostet zum Beispiel die gleiche Verbindung von Wien nach Salzburg am 13. September bei der ÖBB 24 Euro – einem Sparangebot sei Dank. Über das Onlineportal der SBB kostet dasselbe Billett 69 Franken. Sprich: Deutlich mehr als das Doppelte. Zudem können Teile des Sortiments in Italien und Österreich nicht verkauft werden, heisst es im Bericht weiter.

Auf Anfrage erklärt SBB-Mediensprecher Reto Schärli: «Bei Reisen nach Italien werden neu durchgängige Buchungen über Mailand hinaus möglich sein.» Ein weiteres Manko der SBB-Bestellplattform, das ausgemerzt werden soll: Mit einer einfachen Suche können nicht auf Anhieb Preise über mehrere Tage verglichen werden. Bei anderen Plattformen funktioniert dies. So lässt sich bei der SNCF der günstigste Preis für eine Fahrt mit einem Klick raussuchen. Bei den SBB müssen bis anhin alle möglichen Fahrten auf die Preise hin einzeln untersucht werden.

Umgekehrt sollen ausländische Kunden in Zukunft über die Kanäle der Partnerbahnen etwa auch Sparangebote der SBB erhalten. Die SBB erhoffen sich dadurch eine bessere Preis-Mengen-Steuerung. Will heissen: Lieber früher ein günstiges Billett verkaufen, als in der Folge auf einem teureren sitzenzubleiben und die Züge nicht auszulasten.

Angriff auf internationale Partner?
Momentan machen die SBB einen Umsatz von 750 Millionen Franken im internationalen Vertriebsgeschäft. 600 Millionen entfallen davon auf grenzüberschreitende Tickets, von der Schweiz ins Ausland oder umgekehrt. Dort wollen die SBB nun angreifen. Und zwar vor allem bei den Tickets vom Ausland in die Schweiz, wo rund 80 Prozent der Transaktionen nicht über die SBB laufen. In die umgekehrte Richtung werden bereits rund 95 Prozent aller Transaktionen über SBB-Kanäle getätigt. Wie viel die SBB bei den Fahrten Ausland–Schweiz zulegen wollen oder können, wird aus der Ausschreibung nicht klar. Die Zahlen seien noch nicht quantifizierbar. Jedoch gehen die SBB davon aus, dass auch bei Fahrten von der Schweiz ins Ausland bis 2025 noch einiges drinliegt. Sie rechnen mit einer Million zusätzlicher Transaktionen. Insgesamt versprechen sich die SBB durch die erweiterte Plattform im Jahr 1 bis 3 Prozent Wachstum in diesem Geschäftsfeld. Die SBB verneinen auf Anfrage, dass es sich dabei um einen Angriff auf die Partnerbahnen handelt. «Das Projekt richtet sich nicht gegen die Partnerbahnen, sondern soll die Wettbewerbsposition der SBB gegen- über Billigairlines und Fernbussen stärken», sagt Mediensprecher Reto Schärli.

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