Sonntag, 17. Januar 2021

Zofingen

0 bis 2°C

Drei Monate Handarbeit für neues Dach


Im Dorf der Strohdachhäuser wird eins frisch eingedeckt – mit 40 Tonnen Schilf aus Holland.

BILDER
Nach 37 Jahren wird das Strohdachhaus von Daniel Rau an der Schönenwerderstrasse neu gedeckt. PETER WEINGARTNER

«Es ist mir ein Rätsel, wie die dort oben arbeiten können», staunt Daniel Rau. Zwei Arbeiter stehen auf dem 59 Grad geneigten Dach des Strohhauses und decken es neu. Ein dritter Arbeiter schneidet die Bündel in die richtige Länge und fährt sie hoch, wenn die Kollegen oben neues Material brauchen. Die Arbeiter sind Angestellte der letzten Firma in der Schweiz, die noch Schilfdächer macht.

Das letzte Mal wurde das 1800 erbaute Haus vor 37 Jahren neu gedeckt, sagt Daniel Rau. Er besitzt das Haus seit 2002. Undichtes Dach? «Nein», sagt er, «aber die Schilfschicht war nur noch gut zehn Zentimeter dick, die neue ist wieder 35 Zentimeter dick.» Regen, das UV-Licht, das Wetter überhaupt trügen das Dach mit einer Lebenserwartung von 40 Jahren mit der Zeit ab.

40 Tonnen Schilf wurden aus der Niederlande nach Kölliken transportiert. «Ein Bund wiegt gegen 500 Kilo», sagt Rau. Beim Entladen der Sattelschlepper samt Anhänger hat ihm ein Bauer aus der Region geholfen.

Denkmalpflege zahlt 80 Prozent
Mit rostfreien Metallstäben und unter Einsatz ihres Körpergewichts drücken die Fachleute auf dem Dach das Schilf fest. «Ich habe vom Unternehmer die Garantie, dass das Dach die nächsten 50 Jahre hält», sagt Daniel Rau. Eine Ausnahme bildet der First. Da eigne sich Schilf nicht, da verwende man wegen der besseren Biegbarkeit Roggenstroh. Der Nachteil: Alle sieben bis acht Jahre müssen diese Roggenstrohteile ersetzt werden. «Eine dauerhaftere Lö- sung mit halbrunden Firstziegeln, wie sie in Holland und Norddeutschland verwendet werden, hat die Denkmalpflege nicht genehmigt», sagt Daniel Rau. Die Denkmalpflege kann mitreden, da sie 80 Prozent der Gesamtkosten übernimmt. Die belaufen sich gemäss Daniel Rau auf 310000 Franken. Er rechnet damit, dass das Dach Ende Oktober, nach rund dreimonatiger Bauzeit, gedeckt ist. Vorher muss strassenseitig auch noch das alte Schilf abgebaut werden. Vom Spätsommer an, als das Gerüst aufgerichtet wurde, war es im Haus drin noch dunkler als sowieso in einem Hochstudhaus. Daniel Rau nimmts locker: «Wir sind eh häufig draussen, und im Sommer geniessen wir die Kühle.»

Kommentare zu diesem Artikel (0)
Kommentar zu diesem Artikel schreiben
Ihr Eintrag wird nach einer Überprüfung online gestellt.





Sie befinden sich hier: 

Home / RESSORTS / Region Mobile-Website anzeigen


Verlag

Zeitungen





Copyright 2016 © Zofinger Tagblatt